Coffee and Drinks in Las Copenhagas

Dani und David gingen im Oktober 2017 für knapp drei Tage nach Kopenhagen auf Inspirationsreise. Hier der Bericht von Dani in Tagebuchform, den wir euch natürlich nicht vorenthalten wollen.

Wer mal in Kopenhagen war, weiss, dass das beste Fortbewegungsmittel das Fahrrad ist. Not by coincidence: 350km lange Fahrradwege stehen zur Verfügung. Weiter haben Fahrradfahrer immer Vortritt und das Lichtsignal schaltet vor den Autofahrern auf Grün. Ein paar Gründe warum das Konzept funktioniert. Wenn das Fundament stimmt, folgt der Rest ganz automatisch. Und so pendeln rund ein Drittel aller Kopenhagener mit dem Velo – dope! Diese Kultur, so wirkt es für mich zumindest, wirkt sich auch auf die Gastronomie aus: Stimmt die Basis, so ist es nicht Rocket-Science, dass am Schluss etwas Gutes dabei rauskommt.

Freitag
First Stop ist Torvehallerne – die Zürcher Viadukt-Markthallen von Kopenhagen quasi. David und ich sind beeindruckt vom Angebot der kleinen Marktstände: Mehrere Fleisch-, Fisch-, Früchtehändler, Craftbeer, Naturweine, Floristen usw. auf 2 Hallen verteilt. Aber auch das Angebot an Tapas mässigem Food ist üppig. Dass bei einem so tollen Angebot der Laden läuft, ist nicht gross verwunderlich. Das Wasser läuft uns im Mund zusammen und der erste Hunger muss gestillt werden. Einfach, dänisch: Smörrebröd. Frischer Fisch auf Brot, ein lokal gebrautes Pilsner. Happy Times!

Später am Tag gehen wir vor unserem bevorstehenden Essen im 108 ins schöne Lidkoeb für einen Pre-Dinner Cocktail. Es herrscht eine pulsierende Stimmung, tolle Atmosphäre. Die Barkeepers produzieren am Laufmeter präzise Drinks. Zu unserem Verhängnis sind diese so lecker, dass aus einem Drink drei wurden. Hinzu kommt, dass die Dänen gesellige Leute sind und wir in der Folge fast unsere Reservation vergessen. So schwingen wir uns last-minute aufs Rad und kommen mit etwas Verspätung im 108 an (hey – we’re latinos! what more can I say?). Dort angekommen merken wir, dass die Buchung erst für den darauffolgenden Tag ist. My bad. Also bewegen wir uns Richtung Meat Packing District und versuchen noch im Warpigs by Mikkeller etwas zu essen. Pech: BBQ-Fleisch ist alle. Also gehen wir halt zu Tommi’s Burger Joint rüber. Der ist ganz gut und nach den Drinks auf leeren Magen eine Wohltat. Die Vernunft holt uns ein und wir gehen früh zu Bett. Aber natürlich nicht, bevor wir bei Hija de Sanchez einen Taco verdrücken. Rosio Sanchez kochte übrigens auch schon bei René Redzepi im Noma (muss nichts heissen – aber der Taco war der Killer). Dass sie unsere Namenvetterin ist, macht sie natürlich umso sympathischer. Satt und müde fallen wir in unsere Betten.

Samstag
Ausgeruht bewegen wir uns zu unserem erster richtigen Coffee Stop, dem Atelier September. Mitten in der Altstadt ist dieses kleine Kaffee bereits am Morgen gut besucht. Atelier September ist der Inbegriff von Simplicity. Die Karte klein, die Komplexität der Gerichte minim. Dafür stimmen die Grundprodukte umso mehr. Serviert wird Kaffee von Koppiaus Malmö. Wie erwartet gefällt er uns – wir starten wie gewohnt mit einem Cappuccino – ganz gut.

Gestärkt gibts noch eine kurze Shopping-Tour durch die Altstadt (muss sein, oder?). Als nächstes fahren wir in Richtung Coffee Collective Rösterei. Sie gelten als eine der Pioniere in der Specialty Coffee Branche und sind mittlerweile auch schon ganz gross. Die Location gefällt sehr. In dem lang gezogenen alten Gebäude steht die Rösterei hinter einer Glaswand wie ein Aquarium. Gäste haben direkte Sicht auf das Geschehen. Abgesessen kommen wir schnell ins Gespräch mit Lukas, dem Geschäftsführer, der uns noch ein paar sehr leckere Filter-Kaffees präsentiert. Geröstet wird hier hell. Die Espressos sind süss und fruchtig – die Cappuccinos sauer. David und ich denken, dass dies wohl an der Milch liegt, denn bei fast allen Coffee Shops passten uns die Cappuccinos nicht. Am Kaffee kann es kaum gelegen haben …

Später am Tag gehen wir in die CUB Coffee Bar. Die kleine Kaffee Bar versteckt sich im Sous-Terrain und ist schwierig zu finden. Wir bestellen uns einen Filter aus Kenia der ausgesprochen lecker ist. Der Barista ist freundlich und wir kommen wiederum ins Gespräch und philosophieren über Röstungen und Rohkaffee.

Genug Kaffee fürs Erste! Wir gehen, nach kurzem Zwischenstopp im Hotel, ins Ruby (wir werden dabei voll vom Sauwetter verschifft) und bestellen uns nach Empfehlung des Barkeeper ein paar Drinks: The Dark Side, El Diablo, Julep & Co. und Jack Rose (alle Infos zu den Drinks sind auf der Ruby-Website zu finden). Das Ruby ist eine sehr hübsch eingerichtet Bar und das Ambiente ist hier bedeutend elitärer als am Abend zuvor. Die Drinks sind der Hammer – doch irgendwie fühlten wir uns im Lidkoeb besser aufgehoben.

Schon wieder leicht angeschwipst (perdon, mama! no siempre es asi!) bewegen wir uns finally in Richtung 108. Die Handschrift von René Redzepi soll hier gut zu spüren sein, sagt man. Alle Teller sind perfekt angerichtet, doch leider enttäuschen sie uns zum Teil geschmacklich. Das Restaurant ist sehr modern dekoriert und irgendwie wirkt alles ein bisschen zu schön, zu perfekt platziert – es fehlt dem Ganzen irgendwie die Seele. Das Wine-Pairing hingegen ist perfekt – wortwörtlich. Wobei der Sommelier sich ein bisschen mehr Mühe hätte geben können beim Erklären der Weine. Am Ende servierten sie uns den wahrscheinlich besten Espresso, den wir in einem High-Class-Restaurant hatten. Roasted by the Master himself Tim Wendelboe: Hell, fruchtig, säurebetont – einen gewaschenen Ethiopier.

Sonntag
Alles läuft etwas gemächlicher CPH sonntags. Da wir beim ersten Besuch von Coffee Collective Risteri das F&B Angebot ausgelassen haben, holen wir das nach – mit kleinem Umweg einer weiteren Coffee Collective Location (falsche Adresse eingeben im Google-Maps). Wir bestellen einen dark-roasted Cappuccino (wiederum sauer) und schaffen es doch noch in die Rösterei. Das Angebot auch hier reduziert: Gebäck, Brot, Käse, Granola oder warmer Toast. Mehr brauchts ja eigentlich auch nicht. Die Creamy Eggs (Toast) sind so gut, dass wir fast eine zweite Portion bestellen. Da aber Full-House ist und es ca. 20 Minuten gedauert hat, verabschieden wir uns beim Gastgeber Lukas.

Fazit: Das Qualitätslevel scheint überall sehr hoch zu sein – fast schon normal. Es wird reduziert auf das Notwendigste, dafür aber ist das, was angeboten wird, auch wirklich gut. Man hält sich an die ursprünglichen Konzepte und es funktioniert. In der Stadt herrscht eine angenehme Lockerheit, von der sich Zürich ein Stück abschneiden könnte. Kopenhagen hat unser Herz gewonnen und wir kommen bestimmt wieder.